Was ist ein Prüfbericht?
Ein Prüfbericht ist eine von der Versicherung erstellte Überprüfung des bereits vorliegenden Schadensgutachtens, das oft von einem unabhängigen Gutachter beauftragt wurde. Die Versicherung analysiert hierbei den Reparaturweg, die Schadenshöhe und die Reparaturkosten, um Kürzungen oder Anpassungen vorzunehmen. Ziel ist es, die entstandenen Kosten so gering wie möglich zu halten. Der Prüfbericht kann erhebliche Auswirkungen auf die Höhe der Schadensersatzleistung haben und ist für den Kunden oft problematisch, da er die vom Gutachter ermittelten Werte in Frage stellt.
Ähnlichkeiten mit Ferngutachten
Auch wenn Prüfberichte in der Regel auf vor Ort erstellten Gutachten basieren, teilen sie viele der Kritikpunkte, die auch bei Ferngutachten zutreffen:
Fehlerhafte Bewertung: Prüfberichte, wie auch Ferngutachten, stützen sich oft auf theoretische Berechnungen, die den Schaden aus einer distanzierten Perspektive bewerten. Der tatsächliche Schaden wird möglicherweise nicht in vollem Umfang berücksichtigt, was zu unrealistischen Kürzungen führt.
Vorgabe des Reparaturwegs: Ähnlich wie bei Ferngutachten versuchen Versicherungen, durch Prüfberichte den Reparaturweg zu diktieren. Dies widerspricht der Dispositionsfreiheit des Geschädigten, die ihm das Recht gibt, selbst zu entscheiden, wie und wo sein Fahrzeug repariert werden soll. Gerichte wie das AG Suhl haben mehrfach entschieden, dass der Schädiger oder die Versicherung den Reparaturweg nicht durch einen Prüfbericht vorgeben darf (Az. 1 C 125/22).
Keine rechtliche Verbindlichkeit: Prüfberichte haben keine rechtliche Bindung. Der Geschädigte ist nicht verpflichtet, diese zu akzeptieren oder in der Reparaturwerkstatt vorzulegen. Das AG München entschied, dass die Versicherung nicht in den Reparaturprozess eingreifen kann (Az. 333 C 2510/21). Der Prüfbericht darf nicht den vorrangigen Maßstab für die Schadensermittlung setzen, solange ein unabhängiges Gutachten vorliegt.
Verlust von Ansprüchen: Genau wie bei Ferngutachten besteht bei Prüfberichten die Gefahr, dass der Kunde durch die Kürzungen wichtige Ansprüche verliert. Dies betrifft insbesondere Reparaturen, bei denen die Versicherung versucht, gebrauchte Teile oder minderwertige Reparaturmethoden zu fordern, um Kosten zu sparen. Hierbei wird oft der tatsächliche Aufwand unterschätzt.