Wir legen offen, was wir prüfen. Punkt für Punkt.
Gebrauchtwagen-Checkliste vor dem Kauf
Unabhängig. Neutral. Fachlich fundiert.
Das ist keine allgemeine Liste aus dem Internet – das ist unsere echte Gebrauchtwagen-Checkliste: die Punkte, die wir bei einer Kaufbesichtigung tatsächlich abarbeiten. Alles davon ist ohne Hebebühne und ohne Zerlegen möglich – also genau das, was Sie beim Verkäufer auf dem Hof erwarten dürfen. Nehmen Sie die Liste mit, wenn Sie allein hinfahren. Und rufen Sie uns an, wenn Sie jemanden dabeihaben wollen, der misst statt schätzt.
Wir prüfen mit Ihnen gemeinsam: Besichtigung mit Rücksprache 150 € brutto, mit schriftlicher Ausarbeitung und DAT-Kurzbewertung 250 € brutto.
Kfz-Meister · Dozent an der Handwerkskammer · DAT Expert Partner mit SilverDAT 3 · Personenzertifizierter Sachverständiger nach DIN EN ISO/IEC 17024 – zertifiziert durch die ADA InVivo BV, Zertifikat-Nr. 140985 · Telefonisch erreichbar täglich 06:00–22:00 Uhr · Top-Bewertungen bei Google
Neun Gruppen. Eine Reihenfolge. Kein Bauchgefühl.
Die Reihenfolge ist kein Zufall. Wir beginnen mit den Papieren, nicht mit dem Auto – weil sich dort die meisten Geschichten schon vorher auflösen. Danach arbeiten wir uns von außen nach innen: Kilometer, Karosserie, Motorraum, Elektronik, Fahrwerk, Innenraum, Probefahrt. Bei Elektro- und Hybridfahrzeugen kommt eine eigene Gruppe dazu.
Alles, was hier steht, ist ohne Hebebühne und ohne Zerlegen möglich. Das ist Absicht: Beim Verkäufer auf dem Hof gehört uns das Fahrzeug nicht, und niemand baut dort etwas auseinander. Was nur auf der Hebebühne geht, steht am Ende dieser Seite – ehrlich benannt.
Vier Regeln, bevor Sie losfahren
- Das Fahrzeug muss kalt sein. Ein warmgefahrener Motor verschweigt fast alles: Startverhalten, Rauch, Geräusche, Kaltlaufprobleme. Sagen Sie das dem Verkäufer vorher – und wenn der Motor beim Eintreffen warm ist, fragen Sie freundlich, warum.
- Besichtigen Sie bei Tageslicht und trockenem Lack. Nasses Blech und Halogenlicht in der Halle verstecken Wellen, Farbunterschiede und Kratzer.
- Nehmen Sie sich Zeit – oder gehen Sie. Zeitdruck ist kein Zufall, sondern eine Verkaufstechnik.
- Fotografieren Sie systematisch mit. Bilder von Papieren, Zählerstand, FIN und auffälligen Stellen sind später Ihr Beleg, falls Zugesichertes nicht stimmt – genau so sichern wir bei der Fahrzeugannahme den Zustand.
Mehr Infos: Gebrauchtwagen-Check mit Sachverständigem → · Preise und Honorare im Überblick →
Was wir prüfen – die vollständige Checkliste
1 · Papiere und Identität
Zuerst die Unterlagen. Wer hier ausweicht, spart Ihnen den Rest des Termins.
- Zulassungsbescheinigung Teil I und Teil II im Original – nicht als Kopie, nicht „liegt noch bei der Bank“
- Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) am Fahrzeug mit den Papieren abgleichen – und prüfen, ob das Typenschild unbeschädigt und original vernietet ist
- Übereinstimmung von Motorisierung, Erstzulassung, Farbe und Ausstattung mit den Papieren
- Anzahl der Vorbesitzer und Halterwechsel-Rhythmus (auffällig kurze Haltedauern sind ein Signal)
- Verkäufer = Halter? Wenn nicht: Vollmacht und Ausweis zeigen lassen
- Serviceheft und Werkstattrechnungen: Lückenlosigkeit, Intervalle, welche Werkstatt, welche Arbeiten – und ob der Zahnriemenwechsel fällig oder erledigt ist
- Die letzten HU-Berichte (dort steht auch der damalige Kilometerstand) und die Mängel, die dort vermerkt waren
- Zwei Schlüssel vorhanden? Ein fehlender Zweitschlüssel kostet dreistellig bis vierstellig
- Bestehende Herstellergarantie, Anschlussgarantie, offene Rückrufe
- Bei Elektrofahrzeugen: vorhandenes Batteriezertifikat und die Restlaufzeit der Batteriegarantie
2 · Kilometerstand: der Abgleich über mehrere Quellen
Eine Zahl im Display ist keine Laufleistung. Sie wird es erst, wenn mehrere unabhängige Quellen sie bestätigen.
- Auslesen der Steuergeräte: Der Kilometerstand ist nicht nur im Kombiinstrument hinterlegt, sondern in mehreren Steuergeräten. Weichen sie voneinander ab, ist das ein Alarmsignal.
- Abgleich mit den Kilometerständen in den HU-Berichten, im Serviceheft und auf Werkstattrechnungen
- Verschleißbild gegen die Laufleistung gehalten: Pedalgummis, Lenkradkranz, Schaltknauf, Fahrersitz-Seitenwange, Türgriffe innen
- DOT-Nummer der Reifen (Herstellungswoche/-jahr) – passen Reifenalter und angebliche Fahrleistung zusammen?
- Zustand von Bremsscheiben und Auspuffanlage im Verhältnis zur angegebenen Laufleistung
- Rechtlicher Hinweis: Tachomanipulation ist nach § 22b StVG verboten und wird regelmäßig als Betrug (§ 263 StGB) verfolgt. Für Sie zählt: nachweisen muss man sie – am besten vor dem Kauf.
3 · Karosserie, Lack und Vorschaden
Hier entscheidet sich, ob „unfallfrei“ ein Fakt ist oder eine Formulierung.
- Lackschichtmessung an jedem Bauteil – Originallack liegt in einem engen Bereich; Nachlackierung, Spachtel oder ausgebeulte Dellen weichen deutlich ab
- Spaltmaße und Symmetrie: Motorhaube, Türen, Kotflügel, Heckklappe – links gegen rechts
- Farbton-, Struktur- und Glanzunterschiede, Overspray an Dichtungen, Zierleisten, Radhausschalen
- Schweißpunkte, Dichtnähte und Werkskonservierung im Sichtbereich: verändert = nachgearbeitet
- Scheiben: Herstellercode und Baujahr aller Scheiben vergleichen (eine einzelne neue Scheibe hat einen Grund), Steinschläge, Risse
- Rost an den bekannten Stellen: Radläufe, Schweller, Türunterkanten, Falze, Heckklappe, Tankdeckel, Schiebedachrahmen
- Funktion aller Türen, Klappen, Schlösser, Fangbänder und Scharniere – schwergängige Türen deuten auf Verzug
- Bei Verdacht auf verdeckte Spachtelstellen: Thermografie
4 · Motorraum und Flüssigkeiten – der kalte Start
Der wichtigste Moment des ganzen Termins dauert zwanzig Sekunden: der erste Start.
- Kaltstart: Anlassverhalten, Startdauer, Leerlauf, Laufruhe, Nageln, Klackern, Pfeifen
- Abgasfarbe beim Start und unter Last: bläulich (Öl), weißlich-süßlich (Kühlmittel), schwarz (Gemisch/Ruß)
- Motoröl: Stand, Farbe, Konsistenz – und der Blick unter den Öleinfülldeckel (heller Schaum = Emulsion, ein ernstes Warnzeichen)
- Kühlmittel: Stand, Farbe, Ölfilm oder Schaum im Ausgleichsbehälter, Frostschutz
- Bremsflüssigkeit (Stand, Alter), Getriebeöl und Servoöl soweit prüfbar, Scheibenwaschwasser
- Dichtheit an Motor, Getriebe, Achsen, Ölwanne, Ventildeckel, Simmerringen – feuchte Stellen und Ölnebel im Sichtbereich
- Zustand von Keilrippenriemen, Schläuchen, Leitungen, Kabelbaum (Marderbiss!), Motorlager
- Starterbatterie: Alter, Pole, Korrosion, Zustand nach dem Kaltstart
- Klimaanlage: Kälteleistung, Verdichter-Geräusch, Dichtheit
- Bei Verdacht: Endoskopie in den Brennraum, Kompressions- und Druckverlustprüfung, im Zweifel eine Ölanalyse im Labor
5 · Elektronik, Diagnose und Assistenzsysteme
Ein modernes Fahrzeug führt Buch über sich selbst. Man muss es nur lesen.
- Auslesen aller Steuergeräte mit Launch- und Hella-Gutmann-Diagnosetester: aktive Fehler, gespeicherte Fehler, sporadische Einträge
- Hinweise auf einen frisch gelöschten Fehlerspeicher – ein leerer Speicher direkt vor dem Verkauf ist selten ein gutes Zeichen
- Airbag-/Rückhaltesystem-Steuergerät: Fehlereinträge und Hinweise auf ein zurückliegendes Auslöseereignis
- Kalibrierungsstatus der Assistenzsysteme (Radar, Frontkamera, Sensorik) – nach jedem Front- oder Heckschaden eine echte Kostenposition
- Bei unklaren Signalen: Nachmessen mit dem Oszilloskop direkt an der Leitung
- Funktionsprüfung: gesamte Beleuchtung, Blinker, Bremslicht, Nebelschlussleuchte, Warnblinker, Scheinwerfereinstellung
- Scheibenwischer und Waschanlage, Sensorik (Regen, Licht, Einparkhilfe, Kamera), Klimaautomatik, Sitzheizung, Fensterheber, Zentralverriegelung, Infotainment
6 · Reifen, Bremsen, Fahrwerk – ohne Bühne, aber nicht oberflächlich
- Profiltiefe aller vier Reifen (und des Reserverads), gleiche Marke und Bauart je Achse, Reifenalter (DOT)
- Abriebbild: einseitiger oder sägezahnartiger Verschleiß deutet auf Spur- und Sturzfehler – oft die Spur eines nicht erwähnten Unfalls
- Bremsscheiben: Riefen, Rostkante, Mindeststärke soweit sichtbar; Bremsbeläge durch die Felge beurteilen; Bremsleitungen und -schläuche im Sichtbereich
- Stoßdämpfer: Ölspuren, Nässe am Dämpferrohr, Fahrzeug an jeder Ecke anwippen
- Federn, Domlager, Achsmanschetten und Antriebswellenmanschetten im Sichtbereich
- Radlager- und Achsspiel im Rahmen des ohne Anheben Möglichen; Geräusche werden auf der Probefahrt geprüft
- Unterboden und Radhäuser im Sichtbereich – mit Leuchte und Inspektionsspiegel: Korrosion, frische Unterbodenschutz-Stellen (womit deckt man was zu?), Verformungen an Schwellern und Längsträgern
- Steht das Fahrzeug gerade? Ungleiche Höhe oder Schiefstand sind ein Hinweis auf Fahrwerks- oder Rahmenschäden
7 · Innenraum – wo Wasser und Vorschäden auffliegen
- Geruch: modrig oder auffällig stark parfümiert? Beides ist ein Grund, genauer hinzusehen
- Feuchtigkeit unter Fußmatten, im Dämmmaterial, in der Reserveradmulde – dort sammelt sich Wasser, und dort sieht man auch Schweißnähte und Rost nach einem Heckschaden
- Sicherheitsgurte: Funktion, Einzugsverhalten, Beschädigungen, Herstellungsdatum am Gurtband (ein neuer Gurt in einem alten Auto hat eine Geschichte)
- Airbag-Abdeckungen und Armaturenbrett: Passung, Spaltmaße, Farbunterschiede, Schrauben mit Werkzeugspuren
- Warnleuchten beim Einschalten der Zündung: Erscheinen sie alle – und gehen sie danach aus? Eine Airbag-Leuchte, die gar nicht erst angeht, wurde stillgelegt.
- Sitze, Verstellung, Bedienelemente, Standheizung, Verbandkasten (Verfallsdatum – seit DIN 13164:2022 mit zwei Masken), Warndreieck, Warnwesten, Reifenfüllflasche/Pannenset (Ablaufdatum)
8 · Probefahrt – lang genug, um ehrlich zu sein
Eine Runde um den Block sagt nichts. Es braucht Landstraße, Autobahn und eine Vollbremsung auf freier Strecke.
- Geradeauslauf: Zieht das Fahrzeug? Steht das Lenkrad gerade?
- Bremsen: Rubbeln, Ziehen, Pedalweg, Druckpunkt, ABS-Funktion bei einer Vollbremsung
- Schaltung/Automatik: Kratzen, Sperren, Schaltrucke, Kupplungsrutschen unter Last (im hohen Gang aus niedriger Drehzahl beschleunigen)
- Geräusche in der Kurve (Radlager, Antriebswellengelenke) und über Bodenwellen (Fahrwerk, Koppelstangen)
- Leistungsentfaltung, Turboverhalten, Ruckeln, Notlauf; bei Dieselfahrzeugen: Partikelfilter-Regeneration, AdBlue-System
- Assistenzsysteme im Betrieb: Abstandsregelung, Spurhaltung, Notbremsassistent – melden sie sich ab?
- Nach der Fahrt: erneut unter das Fahrzeug leuchten – frische Tropfen zeigen sich erst warm
9 · Zusätzlich beim Elektro- und Hybridfahrzeug
Hier hängt der halbe Fahrzeugwert an einem Bauteil, das man nicht ansehen kann.
- State of Health (SoH) messen – AVILOO-Batterietest, statt der Reichweitenanzeige zu glauben. Orientierung: 80–100 % gut, 75–80 % noch akzeptabel mit spürbarem Reichweitenverlust, deutlich darunter kritisch.
- Auslesen des Batteriemanagementsystems: Fehlereinträge, Zellsymmetrie, Auffälligkeiten im Lade-/Entladeverhalten
- Ladeverhalten prüfen – AC und, wenn möglich, DC; Ladeklappe, Ladedose, Ladekabel (Typ 2, Schuko) vollständig vorhanden?
- Batteriegehäuse und Unterbodenschutz im Sichtbereich: Aufsetzspuren, Kratzer, Verformungen. Wichtig: Nach einem Unterbodenkontakt ist „kein Batterieschaden ersichtlich“ keine Feststellung, sondern eine Vermutung.
- 12-V-Batterie (auch das E-Auto hat eine), Wärmepumpe, Vorkonditionierung, Rekuperation im Fahrbetrieb
- Restlaufzeit der Batteriegarantie des Herstellers und deren Bedingungen (oft an einen SoH-Grenzwert geknüpft)
- Arbeiten am Hochvoltsystem setzen eine Qualifikation voraus – wir haben Hochvolt Stufe 3S, geschult an der TAK in Bonn.
Mehr Infos: Hochvolt- und Elektrofahrzeuge → · unsere technische Ausstattung im Detail → · technische Überprüfung bei Motorschaden →
Was ohne Hebebühne nicht geht
Wir könnten so tun, als sähe man alles vom Hof aus. Das wäre bequem – und unehrlich. Diese Punkte lassen sich nur mit angehobenem Fahrzeug beurteilen:
- Der vollständige Unterboden inklusive Längsträger, Bodenblech und Aufnahmepunkte – also die Stelle, an der ein schwerer Unfall seine Spuren hinterlässt
- Achsen, Lenkung, Radlager- und Traggelenkspiel unter Entlastung geprüft
- Geometrie- und Achsvermessung – der einzige belastbare Nachweis, ob ein Rahmen oder eine Achse verzogen ist
- Abgasanlage, Katalysator und Partikelfilter über die gesamte Länge
- Bei Elektrofahrzeugen: die Unterseite des Hochvolt-Batteriegehäuses im Ganzen
Wenn Ihnen das wichtig ist – bei einem hochpreisigen Fahrzeug, bei konkretem Unfallverdacht oder bei einem gebrauchten Elektroauto – dann kommt das Fahrzeug zu uns. Wir haben eine eigene Prüfhalle mit drei Hebebühnen, eine ehemalige komplette Kfz-Werkstatt, die wir heute ausschließlich für die Sachverständigentätigkeit nutzen. Der Verkäufer muss zustimmen. Wer nichts zu verbergen hat, stimmt zu.
Wir begutachten. Wir verkaufen nicht, und wir reparieren nicht. Wir haben kein Fahrzeug im Hof und keine Werkstatt, die an einer Reparatur verdient. Deshalb dürfen Sie von uns auch den Satz erwarten: „Das Auto ist gut. Kaufen Sie es.“
Mehr Infos: Gebrauchtwagen-Check: Ablauf und Preise → · Wertgutachten beim Fahrzeugverkauf → · alle Ratgeber-Themen im Überblick →
Fragen zur Gebrauchtwagen-Checkliste
Kann ich die Liste auch allein abarbeiten?+
Warum ist der kalte Motor so wichtig?+
Ist ein Vorschaden automatisch ein Grund, nicht zu kaufen?+
Was ist der wichtigste Punkt auf der ganzen Liste?+
Prüfen Sie auch Wohnmobile, Transporter oder Anhänger?+
Bekomme ich die Checkliste ausgefüllt zurück?+
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten Rechtsfragen wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Verkehrsrecht.
Lieber jemanden dabei, der misst statt schätzt?
Wir kommen zur Besichtigung mit – zum Händler oder zum privaten Verkäufer. Ein Anruf genügt.
Bastian Kfz-Gutachter
Sachverständigenbüro e.K.
Inhaber: Gunther Bastian
Bergstraße 2
66871 Theisbergstegen
Mobil: 0170 5229451
E-Mail: info@sv-bastian.de
Telefonisch erreichbar täglich 06:00–22:00 Uhr. Wir sind mobil im Umkreis von rund 150 km um Theisbergstegen unterwegs – Rheinland-Pfalz, Saarland sowie Teile von Hessen und Baden-Württemberg.